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Struktur der Vorklinik

Die Vorklinik umfasst die ersten fünf Semester des Studiums. Inhalte sind größtenteils theoretisch-naturwissenschaftlicher und zahntechnischer Natur und sollen Grundlagen zur Arbeit am Patienten liefern.

Die Grundlagen der naturwissenschaftlichen Fächer Physik, Chemie und Biologie (an einigen Universitäten wie z.B. Jena oder Erlangen auch Zoologie) werden in einer staatlichen Prüfung, dem Vorphysikum abgefragt (normalerweise nach dem 2. Semester).

Den Abschluss der Vorklinik bildet die zweite staatliche Prüfung, das Physikum.

Informationen über die Klinik erhaltet ihr hier.

Physik

Besteht meist aus einem praktischen Teil, in dem Versuche durchgeführt und ausgewertet werden, einer begleiteten Vorlesung und je nach Uni einer oder mehrerer Klausuren. Physik ist Teil des Vorphysikums.

Vermittelt und überprüft werden meist physikalische Grundkenntnisse, z.B. Elektrizität, Radioaktivität, geometrische Optik.

Chemie

Besteht meist aus einem praktischen Teil, in dem Versuche durchgeführt und ausgewertet werden, einer begleitenden Vorlesung und je nach Uni einer oder mehrerer Klausuren. Das Fach ist Teil des Vorphysikums.

Spätestens hier fluchen die meisten darüber, Chemie so früh wie möglich in der Schule abgewählt zu haben. In der Vorlesung wird vom Atommodell, chemische Bindungen, Salzlösungen über Säuren und Basen bis zu Heterocyclen alles was Spaß macht, abgehandelt.

Die Praktika sind mal mehr, mal weniger spannend, je nach Wissensstand des Studenten. Meistens wird das Praktikum in einen anorganischen und einen organischen Teil aufgeteilt, der teilweise auch seperate Klausuren hat.

Chemie wird an einigen Unis nicht zu Unrecht als die erste Hürde im Studium bezeichnet.

Biologie

Besteht aus einer Vorlesung und einer mündlichen Prüfung im Vorphysikum. Von Zytologie über Ökologie bis Genetik wird alles behandelt und gefragt. Alle, die Biologie-Leistungskurs hatten, können sich freuen.

Vorphysikum

Wird meist in den Semesterferien nach dem 2. Semester, an einigen Unis auch nach dem 3. Semester gemacht und beinhaltet mündliche Prüfungen in Physik, Chemie und Biologie. Das ist dann auch schon eure erste Staatsprüfung.

TPK — Technischer Kurs der Propädeutik

Hier werden Grundlagen der Zahntechnik vermittelt und angewendet. Von Gipsmodellen über Goldkronen bis Prothesen wird hier alles vom Studenten in bestimmten Fristen unter den aufmerksamen Blicken von Assistenten (Zahnärzten in ihrer Assistenzzeit) hergestellt. Auch das Modellieren von Wachszähnen, das Klammernbiegen, die Herstellung von Gaumenplatten oder Funktionslöffeln wird hier gelernt. Jede Arbeit ist in mehrere kleine Testatsschritte eingeteilt, die sicherstellen sollen, dass jeder Schritt gewissenhaft ausgeführt wurde, um ein bestmöglichstes Endergebnis zu erhalten.

Im TPK fließen Schweiß, Blut und Tränen, aber niemand wird wohl das gute Gefühl vergessen, das erste Testat bekommen zu haben und somit weitermachen zu dürfen!

Meist werden die einzelnen Arbeiten benotet und zum Ende des Kurses eine Klausur geschrieben. An einigen Universitäten werden außerdem Arbeitsproben durchgeführt, das heißt die Arbeiten, die vorher in mehreren Wochen erstellt wurden, müssen nun innerhalb weniger Stunden ausgeführt werden. Dieses geht dann auch in die Benotung ein.

Die Klausur umfasst die Themen des Kurses und meist auch die allseits beliebte Werkstoffkunde (die auch ein eigenes Fach sein kann, wie z.B. in Erlangen, München, Würzburg, Köln oder Berlin), also Details zur Zusammensetzung, Eigenschaften und Verarbeitung von Gipsen, Wachsen, Kunststoffen etc.

Phantom 1 - Kurs

Heißt so, weil der Student einen Phantom-Patienten (Plastikkopf mit Gummimaske) behandelt. Diesem werden Kronen, Brücken und Prothesen verpasst, also muss der Student Zähne präparieren (besser bekannt als „Bohren“), Abdrücke nehmen, Bisswälle anfertigen und die allerseits beliebten Klammern biegen.

Im Prinzip ist dies also der TPK für Fortgeschrittene — der Kursablauf mit den Testaten ist sehr ähnlich — allerdings nun schon mit mehr Behandlungsbezug. Auch hier ist eine Klausur am Ende des Kurses zu schreiben, teilweise sind Arbeitsproben zu absolvieren und zu bestehen.

Phantom 2 – Kurs

Baut weiter auf den Phantom I auf, findet meist direkt nach dem Phantom I in den Semesterferien statt. Das heißt, es wird immer kniffliger, am Ende steht wieder die Klausur.

Anatomie

Zusammen mit mehreren Kommilitonen bekommt man meist eine Körperspende (in der Regel aus dem Kopf-Hals-Bereich) zugewiesen, an der man dann mit Hilfe eines Vor-Präparanten (meist Medizinstudenten kurz vor oder nach dem Physikum) bestimmte anatomische Strukturen wie Muskeln oder Nervenbahnen frei präparieren und erlernen muss.

Nachdem die anfängliche Scheu überwunden ist, gibt es faszinierende Dinge zu entdecken und quasi Unmengen zu lernen — und das ist eigentlich das zentrale Element dieses Kurses. Der Lernaufwand ist immens, das hier erworbene Wissen ist aber sehr wichtig für unser späteres Arbeiten. Zu den Testaten lassen sich immer wieder einige Kommilitonen beobachten, die sich die Nächte um die Ohren schlagen, um den Stoff noch reinzubekommen. Aber auch hier gilt (auch wenn es die allerwenigsten machen): gut eingeteilt ist der Stoff einigermaßen stressfrei zu bewältigen.

Begleitend gibt es dazu eine Vorlesung. Meist wird das Gelernte durch mündliche Testate abgefragt und zum Ende des Kurses noch eine Klausur gestellt.

Histologie

Hier behandeln wir die Anatomie im Kleinen, Histologie umfasst also den Mikroskopierkurs. Wie sieht der Zellkern aus, aus was ist die Darmwand aufgebaut, wie unterscheidet man die unterschiedlichen Drüsen des Körpers – all das kann man sich in diesem Kurs anschauen.

Begleitend gibt es dazu eine Vorlesung und wieder eine oder mehrere Klausuren.

Biochemie

Hier werden die Funktionen des Körpers erlernt in Form eines Praktikums, einer Vorlesung und einer Klausur. Physiologie kann ein unheimlich spannendes Fach sein, wenn der Stressfaktor nicht zu hoch ist.

Es geht dabei z.B. um die Reizübertragung der Nerven, das Immunsystem und die Regulation der Hormone. Im Gegensatz zu Anatomie muss man hier mehr verstehen als auswendig lernen.

Biochemie

Dieser Kurs verknüpft die Chemie mit der Biologie, es geht dabei z.B. um den Stoffwechsel, die molekulare Hormonwirkung und um die Welt der Enzyme, Fette und Kohlenhydrate.

Auch hier gibt es meist einen praktischen Teil, eine begleitende Vorlesung und zum Ende hin wieder eine Klausur. An vielen Unis markiert Biochemie eine weitere hohe Hürde.

Weitere Fächer

Die meisten Unis bieten in der Vorklinik auch eine Lehrveranstaltung zur Berufsfelderkundung an, die einen ersten Einblick in das Berufsleben als Zahnmediziner gibt. Auch Fächer wie Psychologie, Soziologie, Neurophysiologie, Funktionelle Morphologie, Orale Strukturbiologie oder Embryologie werden zum Teil von Unis im Rahmen der Vorklinik angeboten. Um das konkrete Angebot an eurer (Wunsch-)Uni zu erfahren, studiert am besten die Studienordnung und die Vorlesungsverzeichnisse.

Physikum

Für die Zulassung zum Physikum ist in der Regel das Latinum oder der Besuch eines Kurses zur medizinischen Terminologie nachzuweisen.

Das Physikum ist dann die zweite große Staatsprüfung, die es zu bestehen gilt. So groß wie die Angst des Schülers vor dem Abitur ist, so ähnlich ist es mit dem Zahnmedizinstudenten und dem Physikum. Aber wie so oft im Leben stellt man fest, dass auch diese Hürde durchaus zu meistern ist, und man am Ende ganz stolz vom stud. med. dent. zum cand. med. dent aufsteigt.

Das Physikum, das in den Semesterferien nach dem 5. Semester abläuft, beinhaltet mündliche Prüfungen in allen Fächern, die nach dem Vorphysikum belegt wurden, also Anatomie, Histologie, Physiologie, Biochemie und natürlich die Theorie der drei Technikkurse (TPK, PH1, Ph2). Hinzu kommt eine praktische Woche, in der man selbstständig und in Eigenarbeit, unter einem gewissen Zeitdruck, diverse technische Arbeiten herstellen muss.

Weiterführende Links

Approbationsordnung für Zahnmediziner

Franziska Riso
Uni Hamburg

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