Student sein heißt viel, aber auch mal Feiern!
Hat man das Abitur, den Zivildienst oder die Bundeswehr hinter sich gebracht, denkt man, dass einem nicht mehr viel Neues begegnen kann. Man hat ja schon so viel geschafft und vor allem erlebt! Dem ist ja auch so. Ihr könnt wahnsinnig stolz auf das sein, was hinter Euch liegt.
Gerade zum Abitur und in der Zeit davor, wurde Feiern und Party ganz groß geschrieben. Mit dem Gefühl, auf diesem Gebiet könne einem keiner mehr etwas vormachen, geht es dann mit stolzer Brust ins Studium.
Klar ist man aufgeregt auf das, was so alles auf einen zukommt. Die Sprüche der Lehrer wie, so wohlbehütet wie in der Schule wird es an der Uni nie mehr sein; da seid Ihr alle auf Euch alleine gestellt, klingen mir noch 5 Jahre später in den Ohren. Da hatte ich doch tatsächlich bei dem ZVS-Formular alles richtig gemacht (schon die 1. Hürde), denn ich bekam auf einmal ein Schreiben ins Haus, welches mir bestätigte, dass ich einen Studienplatz für Zahnmedizin in Münster hatte. Die Freude war natürlich groß und es musste gefeiert werden! Ich hab mir zu dem Zeitpunkt aber ehrlich gesagt noch nicht große Gedanken gemacht, was das jetzt eigentlich für mich bedeutet und was sich demnächst ändern wird. Was sollte mir denn passieren, schließlich war ich schon fast Zahnmediziner! Zahni hört sich doch wahnsinnig gut an.
Doch am nächsten Morgen erwacht, dachte ich mir, ich könnte mich ja mal um eine Wohnung kümmern. Das ist ja auch ein ziemlicher Anreiz an dem Studium. Endlich auf eigenen Beinen stehen. Schnell jedoch stellte sich heraus, dass es gar nicht so einfach wird eine 80qm Penthousewohnung für 200 Euro warm zu finden. Schlimmer noch nach 30 Stunden Internet, 20 Zeitungen und ca. 150 Telefonaten, waren meine Ansprüche so weit heruntergekommen, dass ich nur noch eins wollte: Eine Wohnung und das am besten zu Studienbeginn. Ich glaube ich brauche hier nicht zu erwähnen, dass das als angehender Student gar nicht so einfach ist. Aber wer hätte es gedacht, irgendwie ist es mir doch noch gelungen. Ich hatte eine kleine, schnuckelige, studentische Wohnung zu einem gar nicht studentischen Preis gefunden. Da ich jedoch nur froh darüber war, endlich etwas zu haben, das man Zuhause nennen kann, unterschrieb ich sofort. Auch dieser weitere Schritt wollte in der alten Heimat gefeiert werden. Hier findet man ja schließlich immer jemanden, der einen dabei unterstützt und mit dem man ganz in alter Manier feiern kann.
Aber da war ja noch was. Noch war ich ja kein richtiger Student. Ich musste mich ja noch Einschreiben. Das allerdings war zu meiner Überraschung glaub ich das erste, das ziemlich einfach, schnell und unkompliziert vonstatten ging. Und schon war es passiert! Endlich am Ziel, in der richtigen Stadt Student und sogar mit Wohnung.
Man denkt eigentlich gehört man schon richtig dazu, doch warum fragen einen immer alle sofort nach einer Minute: „Du bist Ersti, oder?“ Da schien doch noch etwas zu sein, das mich outete. Heute weiß ich was es war, denn ich erkenne auch jedes Semester die Erstis sofort und zwar an einem verzweifelten Gesichtsausdruck, mit Handy am Ohr und den obligatorischen Stadtplan immer in der Hand. Denkt jetzt nicht, dass die höheren Semester sich über Euch lustig machen, oder dass es absolut schlecht ist als Ersti aufzufallen. Wir alle erinnern uns an diese Zeit zurück und müssen dann über uns selbst schmunzeln. Es wird auch sicherlich kein Student böse auf Euch sein, wenn Ihr eine Frage habt. Bei vielen sind die Erstis sogar sehr beliebt und werden immer die ganzen Semesterferien sehnlichst erwartet und in den ersten Wochen dann regelrecht umworben.
In der Woche vor dem Studium wurde dann eine Einführungsveranstaltung von der Fachschaft durchgeführt. Endlich trifft man mal auf diejenigen, mit denen man die nächsten Jahre seines Lebens verbringen wird. Ein bunt gemischter Haufen voll von Menschen mit dem Stadtplan in der Hand. Erst stellt man sich zaghaft vor, doch schnell merkt man, dass doch alle in einem Boot sitzen. Jeder ist gespannt auf das, was vor ihm liegt und jeder steht relativ für sich alleine da. Man kennt in der neuen Stadt noch nicht viele Menschen. Dieses Problem realisiert, haben alle in den ersten Minuten die Chance genutzt, schnell Bekanntschaften zu schließen. Der nette Mann von der Fachschaft erzählte uns von so vielen Dingen, die für das Studium ja alle so wichtig sind. Es wurde einem Schwindelig bei all dem, was man doch zu beachten hatte. Ich glaube, dass ich nicht der Einzige war, der sich in diesem Moment ziemlich überfordert fühlte. So viele Vorlesungen, an so vielen verschiedenen Orten, mit so vielen Fristen. Man wenn ich das alles richtig machen sollte, dann hab ich was geschafft, dachte ich mir.
Später wurden wir dann in kleinen Gruppen durch die Zahnklinik und die angrenzenden Gebäude geführt. Ich kenne auch andere Unis in Deutschland, aber ich glaube die Zahnklinik in Münster ist der größte Irrgarten unter allen. Ich könnte froh sein, wenn ich am ersten Tag das berüchtigte TPK-Labor, von dem der nette Fachschaftsmann geplaudert hatte, überhaupt finden würde. In diesen Gruppen lernte man sich dann auch wirklich schnell besser kennen und es wurden die ersten Handynummern getauscht. Endlich nicht mehr ganz alleine in der fremden Stadt! Wir waren uns alle einig, dass wir an diesem Abend etwas gemeinsam unternehmen sollten. So kam es, dass wir uns in einer netten Kneipe trafen und unser gemeinsames erstes Semester einläuteten. Es wurde ein sehr lustiger Abend, der für die meisten wirklich spät endete.
Nun war noch genau eine Woche zu überbrücken, bevor das Studium so richtig losging. Wir sollten uns alle am Mittwochmorgen um 9 ct (9:15) Uhr im kleinen Hörsaal der Zahnklinik einfinden. Da war mir klar, wenn am nächsten Morgen alle in der Klinik sein mussten, würden ja auch alle am Abend vorher schon in Münster sein. Schnell telefonierte ich alle Nummern, die ich ja fleißig gesammelt hatte, ab, um genügend Leute für eine Party zu mobilisieren. Doch ich musste feststellen, Student ist nicht gleich Student. „Was heute abend? Es geht doch morgen so früh los! Nein, ich geh lieber früh schlafen!“ waren leider viel zu oft die Reaktionen auf meinen gut gemeinten Vorschlag. Dennoch fand ich drei Mutige, die sich mit mir den ersten Abend im Semester, wo doch überall Partys für die Erstis sind, nicht entgehen lassen wollten. Doch wohin? Überall wurde man von Werbung erschlagen. Die Entscheidung fiel auf eine Party im „Schlossgarten“. Dort angekommen waren wir erstmal alle von der Menschenmasse erschlagen. Überall tummelten sich auf einem Dienstag Abend hunderte von Studenten. Nur junge (OK, wir waren die Jüngsten), nette Menschen, mit denen man wirklich sehr schnell ins Gespräch kam. Ausgelassen und wirklich frei genossen wir den wirklich außergewöhnlichen Abend. Wir haben viel gefeiert, getrunken und getanzt. Ich war von zu Hause einiges gewohnt, doch das hier übertraf alles. Studenten aus allen Fachbereichen feierten ausgelassen zusammen. Irgendwie ergab es sich dann, dass es auf einmal 5:30 Uhr geworden war. Normalerweise sollte an einem Dienstag mitten in der Woche um diese Zeit der Saal wie leergefegt aussehen, doch weit gefehlt. Studenten scheinen nicht nur offen zu sein, nein sie verstehen auch noch wirklich, wie eine Party auszusehen hat. Die Prioritäten scheinen richtig gesetzt zu sein. Diese erste Party, schwirrt mir noch immer im Kopf herum. Jedes Semester wieder, gehe ich auf diese Party, doch ich muss leider feststellen, dass sie nie so gut wird, wie meine allererste Party als Student. Wahnsinnig erschöpft, aber berauscht von dem guten Fest fiel ich dann gegen 6 ins Bett und stellte mir mit einem schlechten Gewissen den Wecker auf 8 Uhr.
Nicht wirklich frisch und ausgeruht, ging es dann am nächsten Tag in die Uni und alle bemerkten sofort, wer da abends zuvor doch noch etwas mehr gefeiert hat. Mit Kopfschmerzen und einem guten Kater saß ich dann in meiner ersten Vorlesung, doch ich muss ehrlich sagen, dass ich das nicht bereut hab, denn der Tag war auch schon am Mittag vorbei. Dann ging es schnell wieder in die Wohnung und der Schlaf wurde nachgeholt. Schließlich war Mittwoch und ich hatte abends zuvor gehört, dass Mittwoch der beste Tag der Woche in Münster sein sollte. „Besser als Gestern?“, dachte ich mir, „schwer vorstellbar, aber das darf ich mir dann nicht entgehen lassen!“
Auch wenn man manchmal, mit Kopfschmerzen im Hörsaal sitzt, muß ich sagen, dass ich noch keine Party, die ich hier gefeiert habe, irgendwann bereut habe. Klar haben wir uns alle einen schweren Studiengang ausgesucht, der viel von einem fordert und der ohne Ehrgeiz und vielem Lernen bestimmt nicht zu bewältigen ist, aber dennoch sollte man nie vergessen, dass man noch jung ist und auch noch ein Leben neben dem Studium hat. Wenn man es nicht allzu sehr übertreibt und die richtige Mischung lebt, dann kann man auch im Zahnmedizinstudium richtig viel Spaß haben. Das Studium ist zwar anstrengend, aber absolut lohnenswert, denn wir lernen einen wirklich tollen, abwechslungsreichen und interessanten Beruf.
Gerade in der ersten Zeit ist es absolut lebensnotwendig Zeit zusammen im Semester zu verbringen. Genau in dieser Zeit kann sich ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln, welches für ein Überleben eines Semesters in der Klinik absolut unverzichtbar ist. Leider bemerkt man immer öfter, dass Studenten mehr und mehr zu Einzelkämpfern werden, die nur auf ihr eigenes Wohl bedacht sind. Bitte nehmt den Rat ernst, denn ihr kommt alle leichter an das große Ziel Zahnarzt, wenn ihr zusammen- und nicht gegeneinander arbeitet. Aus diesem Grund nutzt bitte die erste Zeit im Semester, um viel zusammen zu machen und euch alle gut kennenzulernen. Und wie klappt das am besten? Ja die Antwort liegt auf der Hand, bei einem Bierchen, einem Cocktail oder ähnlichem auf einer guten Party. Also auch wenn ihr meint, der Studienstress sei nicht mehr zu überblicken, dann lasst euch gesagt sein, dass ihr es leider nicht mehr so schön, wie in eurem ersten Semester haben werdet. Die Freundschaften, die ihr jetzt in dieser Zeit knüpfen werdet, werden euch das ganze Studium und oft auch das ganze Leben danach begleiten. Also lasst euch die Möglichkeiten, sprich Feiern und Partys, nicht zu oft entgehen.
Dominik Klüsener
Universität Münster
Junge Zahnmedizin in Deutschland
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