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Studieren mit Kind - Das erste Semester

Es kann nur schlimmer werden!

Ein Beitrag von Lisa Faesser | Universität Göttingen

Der Anfang

Das erste Semester ist immer ganz besonders aufregend. Der Einstieg findet sich durch die O-Phase bei der getrunken, gelacht und sich kennen gelernt wird. Sieht man vom Betrinken ab, ist die O-Phase der beste Einstieg ins Studium, hier kann man Kontakte knüpfen, die Stadt besser kennen lernen und nochmal ein bisschen Spaß haben, bevor der Ernst des Lebens beginnt.

Der Ernst des Lebens hat bei mir jedoch schon vor gut einem Jahr begonnen. Mit Kind ist es relativ schwierig am Anfang direkten Anschluss zu finden. Das ist allerdings nicht allzu schlimm... man hat ja noch knapp 6 Jahre Zeit dafür.

Die Organisation

Da es bei mir nicht direkt mit Wohnung und Kinderkrippe geklappt hatte (... die guten Wartezeiten und Bewerbungsfristen...!) musste ich die ersten Monate meines Studentendaseins pendeln... da kommt es ganz gut wenn die Eltern ganz in der "Nähe" wohnen und man Kind und Kegel in guten Händen weiß. Das ist für mich auch ein großer Nachteil an einem Studium mit Kind. Möchte man in eine Stadt, die nicht in der Nähe der Eltern ist, kommt man schnell ins Trudeln da Kind und Studium nicht innerhalb von einer Woche zu managen sind, zumal Kindergartenplatz und Wohnung auch nicht immer sofort verfügbar sind. Deswegen bin ich froh, dass ich einen Platz ganz in der Nähe meines Elternhauses bekommen habe!

Das sollte auch jedem bewusst sein - alles klappt, aber eben nicht unbedingt so gut wie bei den anderen. Da ich ein ehrgeiziger Mensch bin, fing ich schon am Anfang damit an, mich mit den anderen messen zu wollen. Das ist das schlimmste, was man machen kann! Einfach nur sein Bestes geben, wie man es zu diesem Zeitpunkt eben kann! Mit Kind hat man nun mal nicht so viel Zeit und schon gar nicht, regulär eingeplante, freie Zeit. Man muss einen Spagat zwischen Kind und Studium machen und aufpassen, seinem Kind gerecht zu werden. Geschafft habe ich es, indem ich abends nach dem die Kleine zu Bett gegangen ist, eine kleine Nachtschicht einplant habe.

Der Ablauf

Jeden morgen aus dem Bett pellen und unausgeschlafen ins Auto steigen. Das war mein erstes Semester. Montag morgens war es recht entspannend. Orale Biologie stand auf dem Plan. Später kam noch Chemie hinzu. Physik durfte man jeden Dienstag und Donnerstag über sich ergehen lassen, später kam mittwochs noch das heiß geliebte Physik Praktikum hinzu - nicht zu vergessen- die Seminare – diese Pflichtveranstaltungen waren meist für die Leute hilfreich, die sich Dienstag und Donnerstag morgens nicht aus dem Bett quälen wollten, um pünktlich um 8 Uhr mit einem Kaffee bewaffnet in der wunderschönen (das meine ich Ernst, Neubau!) Physik aufzuschlagen.

Das erste Semester beschränkt sich in Göttingen auf Orale Biologie, Chemie und Physik. Hinzu kommt noch der Kurs des technischen Propädeutik !täglich! Von 13.00 Uhr bis 16.30 Uhr und Kariesprophylaxe immer mittwochs 16.45 Uhr. Das Labor stellt einen großen Stressfaktor dar, ist man doch gezwungen sein feinmotorisches Geschick an den Tag zu legen...spätestens da merkt man, ob man weiter studieren sollte oder nicht...

Aufwachsen bis der Arzt kommt, nach anatomischen Gegebenheiten und Vielpunktkontakt. Ich fand das Klima angenehm, die Dozenten nett. Der TPK bereitet auf den Phantomkurs vor, wo ich doch bei einigen Klammerbiegeübungen fluchend die Zange in die Ecke werfen wollte.

Doch all die Mühe zahlt sich am Ende aus, die Arbeiten im Labor machen sehr viel Spaß, die Dozenten in Göttingen sind wirklich sehr freundlich und kommen dir entgegen, wenn es darum geht, das Kind vom Kindergarten abzuholen oder bei anderen Organisationen; Zeitmanagement und Kinderbetreuung. Das sind die zwei größten Pfeiler um ein Studium mit Kind durch zu ziehen. Alles braucht ein wenig Zeit, um sich einzuspielen. Irgendwann merkt das Kind auch, das Mami morgens zur "Arbeit" geht und am Nachmittag wieder zurück ist. Mit der Zeit entwickelt sich ein gut eingespieltes Team zwischen Mutter und Kind.

Die ersten Monate sind relativ einfach. Man hat ja auch noch keine Prüfungen. Wie in jedem Semester stehen zum Ende die Abschlußklausuren an, im ersten Semester in Physik und TPK, sowie mündliche Prüfungen in Werkstoffkunde und der technischen Propädeutik und in den ersten 3 Wochen der Semesterferien mündliche und praktische Prüfung im Phantomkurs 1 Teil 1. Abschlußklausur der Chemie findet erst am Ende des 2. Semesters statt - man hat also noch ein wenig Schonfrist (Finde ich persönlich super!). Da wir Zahnis in Göttingen nach dem 2. Semester (Anfang der Semesterferien!) Vorphysikum haben und in den Fächern Physik, Chemie und Oraler Biologie mündlich geprüft werden, sollte man schon langfristig überlegen, wie man sein Kind in dieser Zeit unterkriegt. Die Krippen bieten ggf. Sonderöffnungszeiten aufgrund von Prüfungssituationen an, wie das allerdings beim ersten Teil des Phantomkurses ist, weiß ich nicht. Der findet nämlich nach dem 1. Semester in den ersten drei Semesterferienwochen statt (tgl. von 8 Uhr bis 16.30Uhr!!!).

Mein Fazit nach dem ersten Semester ist: Es kann nur schlimmer werden!

Aber es hat mir sehr gut gefallen und die Prüfungen sind, sofern man seinen "Rhythmus" findet, auch zu schaffen. Viel Freizeit und Verschnaufpausen gibt es allerdings nicht. Das Leben besteht in der Zeit des Semesters nur aus Uni, Lernen und Kind. Was natürlich nichts schlimmes ist, wenn man das was man macht, auch wirklich will!

Eine Übersicht über Anträge und weitere Informationen findet Ihr unter Studieren mit Kind - Geht das überhaupt?!?

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