Struktur der Klinik
In der Klinik steht die Arbeit am Patienten im Vordergrund. Den Abschluss bildet das Staatsexamen.
Informationen über den Weg in die Klinik erhaltet ihr hier.
Phantomkurs der Zahnerhaltung (Phantom 3)
Dies ist nun der erste Kurs als echter Kliniker.
Hier gilt es, für die ersten Patienten im 7. Semester fit gemacht zu werden. Dieser Kurs macht vielen besonders Spaß, weil man nun endlich die grundlegenden Arbeitsschritte eines Zahnarzte machen darf, wie Karies entfernen, Löcher mit Amalgam oder Kunststoff füllen, oder Zähne endodontisch versorgen.
Dies geschieht allerdings alles noch an Kunststoffzähnen bzw. an Echtzähnen, die sich natürlich nicht mehr im Mund des Patienten befinden. Hier macht man dann auch die Erfahrung, dass ein Loch in einen Zahn zu präparieren durchaus schwieriger sein kann als ihn von außen für eine Krone zu beschleifen.
Neben den praktischen Arbeiten gibt’s natürlich auch wieder was Theoretisches, das dann in einer oder mehreren Klausuren am Ende abgefragt wird.
Phantomkurs der Parodontologie
Dieser Kurs steht meist in enger Verbindung mit dem Phantomkurs der Zahnerhaltung. Hier hört man das erste Mal, dass man auch Zähne, die keine Karies haben, verlieren kann, nämlich durch Parodontitis (d.h.: der Knochen bildet sich zurück und die Zähne fallen heraus). Weiterhin wird hier das Wort Prophylaxe großgeschrieben und man lernt an Kunststoffzähnen feste Beläge und Zahnstein fachgerecht (Kürette, Scaler) zu entfernen. Neben meist einer praktischen Überprüfung gibts wie immer `ne Klausur mit vielen wichtigen Fragen.
KFO - Propädeutik
Hier macht man dann die ersten Erfahrungen mit der Kieferorthopädie und stellt fest, dass nicht jedes Gebiss perfekt ist und es die ein oder andere Fehlstellung oder Nichtanlage gibt. Um diese zu beheben, wurden im Laufe der Jahrzehnte diverse Geräte entwickelt, die es jetzt gilt, selbst anzufertigen. Meist wird einem parallel dazu Theorie vermittelt und die in einer Klausur abgefragt.
Auscultando
Auscultando oder auch Spritzenkurs führt einen in die hohe Kunst der Schmerzausschaltung ein und nebenbei übt man eben auch gegenseitig das Spritzen, was wirklich nicht so schlimm ist wie man sich das so allgemein vorstellt. Auch über Notfallmedizin und Zahnextraktion erfährt man das ein oder andere Neue. Und wie immer gibt’s natürlich auch `ne schriftlich Wissensüberprüfung. An einigen Unis wird das Wissen des ersten Auscultando noch in einem weiterführenden Kurs im nächsten Semester vertieft.
Kons 1
Endlich ist es so weit: der erste Patient.
Es ist doch ein tolles Gefühl nach sieben langen Semestern endlich den echten Menschen vor sich zu haben. Im Kons 1 Kurs macht man all das, was man im 6. Semester im Phantomkurs der Zahnerhaltung gelernt hat unter realen Bedingungen. Man entfernt also Karies, legt Füllungen, versorgt Patienten mit Inlays oder Teilkronen und macht die ein oder andere Wurzelkanalbehandlung. Leider sind die Patienten an den meisten Unis im Laufe der Jahre rar geworden, so dass man sich schon selbst Patienten besorgen sollte. Nebenbei hat man noch Vorlesungen und schreibt natürlich wieder eine Klausur.
Kons 2
Kons2 ist der Kurs für Fortgeschrittene in der Konservierenden Zahnheilkunde, hier werden vor allem mehr Patienten behandelt als im Kurs 1. Schließlich muss man viel üben und ganz nebenbei wird man natürlich auch routinierter und somit auch schneller. Und kurz vor dem Examen sind Klausuren zur Wissensüberprüfung in diesem Fach auch von Vorteil.
Practicando 1
Practicando wird wieder von der chirurgischen Abteilung (MKGlern) abgehalten. Man bespricht nun die ersten Patientenfälle und lernt so mit Hilfe von realen Beispielen die Anamnese und erarbeitet gemeinsam die jeweiligen Therapiepläne für den Patienten.
Practicando 2
Practicando 2 ist der Aufbaukurs auf Practicando1 mit dem Unterschied, dass man nun selber den Kommilitonen die Patienten vorstellt und weitgehend selber Krankengeschichten erstellen muss.
Practicando 3
In einigen Unikliniken gibt es noch einen Practikando 3,der wiederum auf die beiden voran gegangen Kurse aufbaut, um immer routinierter zu werden.
Dermatologie
Auch ein Zahnarzt sollte gewisse Grundkenntnisse von Hauterkrankungen haben. Deshalb wurde dem Studenten die Dermatologie beschert, was dazu führt, dass man sich mit diversen Hauterkrankungen, die ja auch im Bereich der Mundhöhle auftreten können, beschäftigen darf. Da zu diesem Zeitpunkt meist das Examen noch in weiter Ferne ist, gibt es in den meisten Unis im 10. Semester noch mal eine Wissensaufrischung in Form eines Crash-Seminars. Dermatologie wird meist nur im Examen als Prüfung abgehandelt.
Hygiene/Mikrobiologie
Auch dieses Fach beschäftigt den Zahnmedizinstudenten kurz nach dem Physikum. Hier erfährt man mehr oder weniger viel über Keime und wie man sie wirksam abtötet.
Parodontologie 1
Parodontologie 1 läuft parallel zu Kons 1. Hier macht der Student seine ersten Erfahrungen in professioneller Zahnreinigung und lernt Zähne nachhaltig und gründlich von Zahnstein und Plaque zu befreien. Nebenbei wird das Wissen durch Vorlesungen über Schnittführungen oder parodontalpathogene Keime weiter vertieft und schriftlich abgefragt.
Parodontologie 2
Ist der Aufbaukurs auf Pa1. Im wesendlichen unterscheidet er sich durch mehr Patienten, die man in kürzerer Zeit behandeln muss, um bestmöglich auf das Leben nach der Uni vorbereitet zu sein, da man dort ja schließlich auch nicht nur einen Patienten am Tag behandeln wird.
Pathohistologie
Oder auch nur kurz Patho ist die Histologie der erkrankten Organe und Gewebe. Man betrachtet Präparate unter dem Mikroskop und erlernt die Strukturen zu deuten und zu diagnostizieren. Das nötige Wissen dazu wird begleitend in kleinen Portionen vermittelt und am Ende des Semesters abgefragt. Hier bespricht man nicht nur zahnmedizinische Pathologien, sondern auch Herz-, Lungen- und andere Organdefekte.
Pharmakologie
Da ein Zahnarzt ja schließlich auch Arzt ist, darf er auch das ein oder andere Medikament verschreiben, das nötige Hintergrundwissen erhaltet ihr in diesem Kurs.
KFO 1
In KFO 1 wendet man die Methoden und Geräte an, die man in dem Kurs der KFO-Propädeutik noch am standardisierten Modell gelernt und hergestellt hat. Bei der Herstellung der Geräte müssen neben echten Patienten auch das eigene Gebiss oder das des Kommilitonen herhalten. In Vorlesungen taucht man weiter in die Tiefen der Dysgnathien ein und versteht immer mehr, warum der beste Freund in der Schule eine Spange tragen musste und man selber davon verschont blieb. Da auch die KFO nicht ohne Grundwissen auskommt, wird alles in einer netten Klausur am Ende überprüft.
KFO 2
Weil bis zum Examen noch Zeit ist und man die Funktionsregler und all die anderen Geräte immer noch nicht ganz durchschaut hat, wird im Kurs 2 alles weiter intensiviert.
Innere Medizin
Ähnlich wie der Humanmedizinstudent muss auch der Zahnarzt von morgen über viele wichtige Erkrankungen der inneren Organe Bescheid wissen, um die Symptome im Idealfall zu erkennen, oder wenigsten den Therapieplan auf die jeweilige Erkrankung abstimmen zu können. Meistens wird Aufgrund des Umfangs die Vorlesung auf zwei Semester ausgedehnt. Besonders im Examen ist dieses Fach doch recht aufwendig und lernintensiv.
Röntgen 1
Hier lernt man die Eigenheiten von Röntgenstrahlen, und warum man immer eine so schwere Schütze beim Zahnarzt umgehängt bekommt, wenn es heißt: wir brauchen ein neues Röntgenbild. Nebenbei macht man auch die ersten Erfahrungen mit den Röntgengeräten und stellt fest, dass es doch eine hohe Kunst ist, einen Zahn in seiner vollen Schönheit auf einem kleinen Film zu verewigen. Da das Röntgen genauen gesetzlichen Bestimmungen unterliegt, gibt’s ne Wissensüberprüfung in Form einer Klausur. Weiterhin muss man über das gesamte Studium eine gewisse Anzahl an durchgeführten Aufnahmen nachweisen. Da dieses Fach für die Diagnostik von Zähnen so wichtig ist, wird kurz vor dem Examen das ganze Wissen noch im Röntgenkurs 2 aufgefrischt.
Röntgen 2
Weitestgehend Wiederholung des Kurs1 zur Examensvorbereitung.
OP1/OP2
Im OP1 und OP2 (Operationskurs1/2) handelt es sich um ein ein- bis mehrwöchiges Praktikum im OP des jeweiligen Klinikums für Zahn-Mund- und Kieferheilkunde. Hierzu sollte man das Wissen der Practikando- und Auskultandokurse parat haben und wird bei zum Teil schwierigen Operationen assistieren, die den ein oder anderen Studenten bewegen, danach doch noch ein Medizinstudium anzustreben, um den Beruf des Kieferchirurgen ausüben zu dürfen. Wahrscheinlich wird man hier auch seinen ersten Zahn extrahieren dürfen.
Prothetik 1
Neben der konservierenden Zahnheilkunde behandelt man in den Prothetikkursen Patienten, die totalen Zahnersatz (Prothesen, Teilprothesen) brauchen. Aber auch Vollgusskronen, Brücken und aufwendige laborgefertigte Restaurationen werden hier von Studenten geplant, hergestellt und hoffentlich passend eingesetzt. Nebenbei muss man noch eine ganze Menge theoretisches Wissen erlangen um all diese Arbeiten auch durchführen zu können. Und wieder gibts ne Klausur.
Prothetik 2
Da die Prothetik später einen großen Teil des zahnmedizinischen Alltags ausmacht, gibt’s genug für zwei Semester zu lernen und zu arbeiten.
Klinische Untersuchungsmethoden
Das Fach gibts oder auch nicht!
Staatsexamen
Wenn man nun mindestens zehn Semester Zahnmedizin erfolgreich hinter sich gebracht hat, darf man auch schon Examen machen. Die Prüfungen ziehen sich über fünf lange Monate hin. In der Zeit wird einem garantiert nicht langweilig, da neben den praktischen Wochen in den Fächern Kons, PA, Prothetik und KFO auch noch 16 weitere mündliche Prüfungen absolviert werden müssen. Jetzt muss man sich an die Fächer erinnern, die damals nach dem erfolgreichen Physikum noch so unwichtig und zu dem Zeitpunkt völlig uninteressant waren. Das heißt, die Bücher aus dem Schrank holen, entstauben und fleißig lernen. Aber irgendwann ist auch diese Zeit vorbei und meistens hält man dann überglücklich nach fünfeinhalb oder mehr tollen Studentenjahren das Staatsexamen in der Hand. Von nun an darf man sich ZA (Zahnarzt) oder für diejenigen, die nebenbei noch Zeit für eine Doktorarbeit hatten Dr. med. dent nennen.
Jan Patrick Kempka
Uni Münster
Weiterführende Informationen
Erfahrungsbericht zum Staatsexamen
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Junge Zahnmedizin in Deutschland
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