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Zahniportal-Blog

Zahnärzte mit Grenzen - Dentales Dschungelcamp

Geschätzte Leser,

als frisch gebackener Zahnarzt wollte ich diesen Februar meinem dentalen Heilauftrag direkt in seiner extremsten Form nachkommen: per Hilfseinsatz in Togo, durchgeführt mit der Organisation "Zahnärzte ohne Grenzen e.V.". Mit der Erfahrung aus Guatemala mit einer US-Organisation zwei Jahre zuvor im Gepäck rechnete ich mit einer ähnlich lehrreichen Erfahrung.

Am Ende war es aber eine humanitäre Mission zu teilweise unmenschlichen Bedingungen.

Nichts funktionierte wirklich: Wasser, Strom, Klimaanlage, Internet, Behandlungsstühle, Dolmetschen, Fahrtkoordination, Materialbeschaffung, Bürokratie, ordentliche Thermodesinfektion, Hotelorganisation.

Und wenn etwas ausfiel, übernahm keiner Verantwortung oder versprach nur heiße Luft – und die strömte zu Genüge aus den defekten Klimaanlagen im engen und gedrängten Behandlungsraum. Es war so, als bestünde die gesamte Bevölkerung aus Mitarbeitern der Deutschen Bahn.

Während die einen also zwangsläufig mit dem eigenen Stirnschweiß die Schleifkörper bei der Arbeit kühlten, bissen sich die anderen die Zähne aus an den wohl rigidesten Kieferknochen auf dem Erdenrund. Jede dritte Extraktionen war ein Kraftakt der Extraklasse. Zur Not wurde dann der lokale Dorfzahnbrecher Gilbert gerufen, der mit seinem persönlichen Plastikgriff-Hebel, welcher eher einem OBI®-Eigenmarken-Schraubenzieher (Schlitz) ähnelte, es jedes Mal schaffte, die Wurzelreste geduldig rauszustemmen.

Im Hintergrund saßen unsere arbeitsscheuen Steridamen auf einem dreckigen Bett und schmierten sich Fischbrötchen. Es macht wohl hungrig, mit dem für die Thermodesinfektion verwendeten Greif-Instrumentarium auch den Inhalt von Mülleimern zu komprimieren (das ist wirklich passiert).

Kein Wunder also, dass sich vor allem um unser Krankenhaus herum massig Sarg-Schreiner am Straßenrand angesiedelt haben.

Positiv hervorzuheben ist aber tatsächlich die Freundlichkeit der Togolesen und unser immens gewachsener Gemeinschaftssinn als ca. 9 Zahnmediziner vor Ort. Wir waren wie eine kleine Familie. Auch das Essen war gut, wenngleich mein Frühstück in Woche 2 aus Malaria-Prophylaxe, HIV-Prophylaxe und Reisedurchfall-Antibiotika bestand.

Unter'm Strich teilten wir alle im Team letztendlich die gleiche ambivalente Meinung über unser dentales Dschungelcamp:

Diesen Hilfseinsatz in Togo würden wir nie wieder machen, aber wir bereuen auch keine Minute davon.

Kurz gesagt: Togo – it's complicated. Das sollte deren Tourismus-Slogan sein.

Wenn Ihr Fragen haben solltet, wie auch Ihr irgendwo im Ausland mithelfen könnt, schreibt mir gerne auf Instagram @moritzxmichael

Weise Grüße,

Moritz