Zum Inhalt springen

Dissertation und Promotion: Der Weg zum Doktortitel

Es gibt nur wenige Herausforderungen im Leben eines Zahnmedizinstudierenden oder Zahnmediziners, die mit der eigenen Doktorarbeit vergleichbar sind. Man muss sich durchringen, immer wieder neu einarbeiten, Zeit nehmen und sich immer neu motivieren. Wenn man sich entschieden hat, den Weg zu gehen gibt es viele Dinge die in Betracht gezogen werden wollen. 

Im Studium oder später?

Je eher man mit der Doktorarbeit anfängt umso besser. Man kann sicher eine Doktorarbeit auch später erfolgreich auf den Weg bringen, aber wenn man einmal im Arbeitsalltag ist fällt es schwer, sich wieder mit Büchern und Studien zu beschäftigen. Auch der Kontakt zum Betreuer wird unter Umständen schwieriger und der Weg zur Bibliothek weiter. Während man an der Uni ist, hat man sowieso Kontakt zu den Professoren und man hört eher, wenn ein Thema zu vergeben ist. Aushänge am schwarzen Brett oder in den Instituten selber können als Ideengeber dienen. Es ist weiterhin oft von Vorteil, sich mit älteren Semestern zu unterhalten und zu hören, wie ein Betreuer so ist und welche Zeit man im Durchschnitt braucht. Auch Kommilitonen, die bereits eine Doktorarbeit begonnen haben, wissen oft ob ihr Betreuer noch weitere Themen zu vergeben hat. Man kann sich einen Eindruck von der Arbeitsweise verschaffen und überlegen, in welche Richtung es gehen soll. Wenn man im Studium eine Doktorarbeit beginnt, wird diese erfahrungsgemäß nur selten bis zum Studiumende fertig. Ein Ziel sollte es jedoch sein, zumindest den experimentellen Teil hinter sich zu bringen.

Aber auch wer früh beginnt, ist nicht gefeit vor einem Neubeginn nach dem Studium. Denn nicht jede Konstellation von Thema, Doktorvater und Doktorand ist gleichermaßen erfolgreich. So sind die Gründe für einen Themen- oder Betreuerwechsel vielschichtig und sollten nicht als Kapitulation empfunden werden. Vielmehr gehört dies zum Teil der Findungsphase und dem ersten Schritt des eigenständigen wissenschaftlichen Arbeitens.

Ist die Studienzeit vorbei, endet mit dem Berufseinstieg die komfortable Situation, sich zumindest zweimal im Jahr für mehrere Monate am Stück Zeit für die eigene Dissertation nehmen zu können.

Für alle, die es sich leisten können, ist deshalb die Zeit nach dem Examen eine gute Gelegenheit noch einmal durchzustarten. Die letzte praktische Behandlung liegt dann schon eine Weile zurück und die Behandlungsabläufe in der freien Praxis sind ein Neuanfang. Dies ist also mitunter die perfekte Situation, die Zeit zu nutzen und sich ganz auf die Dissertation zu fokussieren.

Die Wahl des Betreuers und des Themas

Die Doktormutter oder der Doktorvater werden euch, genau wie das gewählte Thema, eine ganze Weile begleiten. Da sollte man sich vorher schon gut überlegen, was einem zusagt, denn dies ist eine schwerwiegende Entscheidung. Betreuer aus nichtklinischen Fächern wie Anatomie haben häufig den Vorteil, dass sie gut erreichbar sind und Zeit haben, sich um den Doktoranden zu kümmern. Im Gegensatz dazu sind Kliniker oft stark in den Alltag mit Patienten eingebunden, stehen im OP und das macht es nicht selten schwierig Dinge abzusprechen.

Wie ihr aus der Kommunikation mit eurem Betreuer das Beste herausholt und welche Fehler es zu vermeiden gilt, erfahrt ihr hier.

Natürlich sollte man sich aber auch mit dem Thema identifizieren können, schließlich wird man sich unter Umständen jahrelang damit beschäftigen, dutzende Quellen zum Thema wälzen und man sollte sich vorher schon im Klaren sein, dass eine Neigung zum gewählten Fach auch durchaus den Arbeitsantrieb positiv beeinflusst. Wenn ich persönlich hinter einem Thema stehe, kann ich auch in diesem Bereich besser forschen und die Doktorarbeit dann auch selbstbewusst verteidigen. Sollte man eine akademische Karriere anstreben, so ist es durchaus von Vorteil, wenn man im betreffenden Bereich schon wissenschaftlich gearbeitet hat. Auch beim späteren Kontakt mit den Patienten ist es sicher vorteilhaft für das Vertrauensverhältnis, wenn man sagen kann „Damit kenne ich mich besonders gut aus, darum ging es in meiner Doktorarbeit.“

Wichtig bei der Entscheidungsfindung ist außerdem, welche Vorgaben man von Seiten des Betreuers bekommt, also in welchem Umfang man Zeit investieren soll, wann die Arbeit fertig sein soll, in welchem Rhythmus man Bericht erstatten soll. Viele Doktormütter oder Doktorväter veranstalten regelmäßige Doktorandentreffen, auf denen man sein Fortkommen darstellt und auch von der Arbeit der anderen lernt. Man muss für sich selber abwägen, wie viel Zeit einem bleibt und ob man die gestellten Anforderungen erfüllen kann. Letztendlich gehört natürlich auch eine große Menge Glück dazu, ein interessantes Thema und einen netten, dynamischen Betreuer zu finden.

Planung und Organisation

Bevor man anfängt, gibt es ein paar organisatorische Dinge zu erledigen. Zuerst sollte man sich die Promotionsordnung der Universität durchlesen und verinnerlichen. Sie enthält wichtige Informationen über Umfang und Anforderungen einer Doktorarbeit – von der ungefähren Seitenanzahl über die Vorgaben in Bezug auf Design usw. Dann meldet man sich mit Zustimmung seines Doktorvaters als Doktorand im Promotionsbüro an.

Anschließend sollte man sich einen Plan machen, womit man beginnt und wie man die Versuche strukturiert. Der Betreuer hilft einem dabei, sollte auch Hinweise auf wichtige Quellen geben, die für das vorliegende Thema hilfreich sind. Auch wenn man nicht mit der Literaturrecherche beginnt, kann es vorteilhaft sein, wenn man sich das eine oder andere Standardwerk im Vorfeld durchliest. Wichtig ist es auch, sich darüber zu informieren, welche Arbeiten es im Forschungsgebiet bereits gegeben hat, welche Versuchsaufbauten in Frage kommen und welche Materialien und Geräte man in diesem Zusammenhang benötigt. Für die Planung kann einem eine selbst erstellte Mindmap helfen, den "Roten Faden" nicht aus den Augen zu verlieren.

Das Schreiben

Bevor man etwas zu Papier bringt ist es wichtig zu wissen, was der Betreuer für die beste Herangehensweise hält. Manche möchten die Arbeit in der Gesamtheit zu lesen bekommen, andere beginnen mit der Einleitung oder Material und Methoden. Wichtig ist vor allem, dass man sich von Anfang an eine Dokumentenstruktur entwickelt, die es auch zulässt, an verschiedenen Themen gleichzeitig zu arbeiten. Ein Programm zur Literaturverwaltung hilft einem, bei den vielen Literaturzitaten den Überblick zu behalten. Schließlich müssen am Ende alle Literaturstellen, die im Anhang auftauchen, auch verwendet worden sein und im Rückschluss sollten auch keine Zitate im Text vorkommen, die nicht in der Literaturliste stehen.

Man sollte sich grundsätzlich nicht scheuen, einfach darauf los zu schreiben, beispielsweise wenn man gerade die Versuche durchführt. Gerade in dieser Zeit sind die Infos, die man für den Teil „Material und Methode“ braucht, noch sehr frisch und lassen sich gut wiedergeben. Hat man dann etwas geschrieben, ist es gut wenn man sich aus dem Freundeskreis oder der Familie Korrekturleser sucht. Diese müssen nicht unbedingt Ahnung haben vom Inhalt, denn auch Hinweise zu Rechtschreibung und Ausdruck von einem Nicht-Zahnmediziner können weiterhelfen. Im Hinterkopf behalten sollte man, dass eine Doktorarbeit in der Zahnmedizin grundsätzlich auch für die Weiterbildung interessierter Kollegen gedacht ist, und sich daher sprachlich nicht zu wissenschaftlich ausdrücken und den Praxisbezug herstellen.

Information:

Seit einigen Jahren ist auch die Kumulative Dissertation zunehmend verbreitet. Hierbei wird eine Anzahl von Artikeln publiziert, anstatt eine einzige ausführliche Arbeit (Monografie) zu schreiben. Diese können zum Erhalt des Doktortitels führen, wenn die Magazine einen entsprechend hohen Impact Factor aufweisen und dies in der Promotionsordnung der Universität geregelt ist. Der Impact Factor ist eine entsprechende Bewertung der Relevanz des Magazins, die höchsten Faktoren haben beispielsweise „Nature“ und andere naturwissenschaftliche Publikationen. Es lohnt sich auf alle Fälle, den Betreuer auf diese Möglichkeit anzusprechen. 

Dissertation fertig – wie geht es weiter?

Wenn die Doktorarbeit geschrieben ist, liest sich zunächst der Betreuer die Arbeit durch. Nach Korrekturen wird die Promotionskommission Gutachter bestellen, die eine Bewertung durchführen. Anschließend kommt es in der Regel noch zu einer Verteidigung. An einigen Universitäten erfolgt diese öffentlich und man kann sie sich als Doktorand anhören, um einen Eindruck zu bekommen. Hat man die Doktorarbeit verteidigt, bekommt man seine offizielle Urkunde. 

Und wie sieht es bei Euch aus?

Ihr habt selber bereits Erfahrungen gesammelt, über die ihr berichten wollt, unangenehme Situationen oder Herausforderungen erfolgreich gemeistert, dann schreibt uns und bereichert diese Erfahrungssammlung.

Auch wenn ihr bereits eine Dissertation erfolgreich durchgeführt habt und die Dissertation der Promotion würdig gesprochen wurde, ist die aufgebrachte Arbeit viel zu schade, in Archiven zu verstauben und mitunter eine große Hilfe für folgende engagierte Doktoranten und wissenschaftlich orientierte Kollegen. Ihr könnt eure Dissertation bei uns veröffentlichen und selber bestimmen, wer Zugriff darauf bekommen soll: das ganze www, nur Zahnmedizinstudierende oder lediglich Freunde.

redaktionzahniportalde

Wissenschaftliche Datenbanken
Literatur
  • Quintessenz-Verlag, Der Weg zum Doktorhut (Broschiert) von K.-R. Jahn, Jean-Francois Roulet, Joachim Viohl
  • Thieme- Verlag, Promotion: Die medizinische Doktorarbeit - von der Themensuche bis zur Dissertation (Broschiert) von Christel Weiß, Axel W. Bauer
  • Springer-Verlag, Die Doktorarbeit : Vom Start zum Ziel. Leit(d)faden für Promotionswillige: Lei(d)Tfaden Fur Promotionswillige (Taschenbuch) von Barbara Messing, Klaus-Peter Hube
  • Springer-Verlag, Mit Vollgas zum Doktor: Promotion für Mediziner (Springer-Lehrbuch) (Taschenbuch) von Christian P. Schaaf
  • Lehmanns Media-Lob.de, Die medizinische Doktorarbeit (Broschiert) von Claudius Diez
  • UTB, Die Gestaltung wissenschaftlicher Arbeiten: Ein Leitfaden für Seminararbeiten, Bachelor-, Master- und Magisterarbeiten, Diplomarbeiten und Dissertationen von Matthias Karmasin, Rainer Ribing
  • Rossig, Wissenschaftliche Arbeiten: Leitfaden für Haus-, Seminararbeiten, Bachelor- und Masterthesis, Diplom- und Magisterarbeiten, Dissertationen von Wolfram E. Rossig, Joachim Prätsch
  • Addison-Wesley, Wissenschaftliche Arbeiten schreiben mit Word: Formvollendete und normgerechte Examens-, Diplom- und Doktorarbeiten von Natascha Nicol, Ralf Albrecht

Auch interessant

14.08.2017
Die Studienzeit gehört zu den schönsten Zeiten im Leben. Doch studieren kann auch krank machen. Eine weltweite Studie untersucht nun die psychische Gesundheit von Studenten.
11.08.2017
Der Countdown läuft. Am 12. September wird die Zahnklinik an der Martin-Luther-Universität in Halle eingeweiht. Mit zm-online schauen Sie jetzt schon hinter die Kulissen. So lässt es sich gut studieren!
10.08.2017
ie Platzvergabe in Studiengängen mit bundesweitem Numerus clausus (NC) kommt im Herbst in Karlsruhe auf den Prüfstand. Das Bundesverfassungsgericht nimmt in einer Verhandlung am 4. Oktober die Auswahl von Medizinstudenten unter die Lupe, wie am Dienstag mitgeteilt wurde.