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Alterszahnheilkunde

Die Themen Alterszahnheilkunde und Zahnheilkunde für Menschen mit eingeschränkter Mobilität erfahren auf Grund der demographischen Entwicklung derzeit einen Wandel, der nicht unterschätzt werden sollte.

Das statistische Bundesamt ermittelte in seiner 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung, dass im Jahr 2020 jeder dritte (!) Bundesbürger über 65 Jahre alt sein wird (1). Der verstärkte Fokus der Zahnheilkunde auf zahnmedizinische Prophylaxe führt langfristig zu einer geringen Anzahl an Mundkrankheiten und Zahnverlusten im mittleren Erwachsenenalter (2). Jedoch führt dies voraussichtlich nur zu einem zeitlichen Aufschub. „Der Verlust des letzten Zahnes tritt in der Regel erst in einem höheren Alter ein“ , so Christian Bär, Thomas Reiber und Ina Nitschke in einem Beitrag zum Thema Alterszahnheilkunde (3). Ältere Menschen werden voraussichtlich, bedingt durch mangelnde Mobilität und überlastetes Pflegepersonal, zunehmend an Mundkrankheiten leiden.

 

Der Altersaufbau in Deutschland 2020 (Quelle: Statistisches Bundesamt).
Leitfaden der BZÄK zur Alterszahnheilunde.

Die moderne Individualprophylaxe hat den Anspruch, kariöse Läsionen, Erkrankungen des Parodontiums sowie der Gingiva und somit letztendlich Zahnverlust einzuschränken und vorzubeugen (4). Die Bundeszahnärztekammer beschreibt das hieraus resultierende Phänomen als „Kompression der Morbidität“ (5). Es wurde festgestellt, dass „das Risiko auf einen möglichst kurzen Zeitraum am Ende des Lebens zusammengedrängt wird“. Besonders ältere Patienten tendieren zu einer subjektiven Einschätzung des eigenen oralen Gesundheitszustandes, die in den meisten Fällen zunächst zu optimistisch ausfällt (5).

 

Darüberhinaus schränken Erkrankungen des orofazialen Systems im höheren Lebensalter auf Grund der Verschlechterung des allgemeinen Gesundheitszustandes gemeinhin die Quantität der zahnärztlichen Behandlung zunehmend ein (6). Die Leiterin der Stabsstelle Prophylaxe/Alterszahnmedizin der Bayrischen Landeszahnärztekammer (BLZK) berichtet: „40 Prozent der Hochbetagten waren schon fünf Jahre und mehr nicht mehr beim Zahnarzt“ (7).

Fragen zum Umgang mit älteren Menschen in der Zahnmedizin und zur Lehrbarkeit dieses Fachgebietes sind in den vergangenen Jahren in Wissenschaft und Praxis in den Vordergrund von Untersuchungen und Dialogen gerückt: Die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) stellt für die daraus resultierende Aufgabenstellung der Zahnmediziner einen Leitfaden als systematische Orientierungshilfe zu Verfügung.

Doch nicht nur die Bundeszahnärztekammer macht deutlich, dass Alterszahnheilkunde ein wichtiger Teilbereich der modernen Zahnmedizin ist. Mittlerweile gibt es, neben vielen Fortbildungsveranstaltungen, die Möglichkeit eine Ausbildung zum Spezialisten für Seniorenzahnmedizin bei der Fachgesellschaft für Alterszahnmedizin (DGAZ) zu absolvieren. Zudem existieren an einigen Universitäten bereits Lehrstühle für Alterszahnheilkunde!  

Mit dem neuen nationalen Gesundheitsziel „Gesund älter werden“ machen seit 2012 auch die Gesellschaft für Versicherungswissenschaft und –gestaltung sowie das Bundesministerium für Gesundheit deutlich, dass die geriatrische Zahnmedizin an Bedeutung gewinnt. Ziel ist es, die gesellschaftliche Relevanz des Mundgesundheitszustandes - speziell von älteren Patienten - durch Veranstaltungen öffentlich zu machen. So soll beispielsweise in der Startphase am Tag der Zahngesundheit verstärkt auf ältere Menschen eingegangen werden. Während der Handlungsphase wird vermehrt Augenmerk auf die Verbesserung der Mundgesundheit und Lebensqualität der Patienten und die patientenorientierte Koordination von Gesundheitsberufen gelegt.

Mila Greiwe/Uni Göttingen

Kommentar der Autorin

Was können wir tun?

Es entwickelt sich derzeit ein latenter Trend zu Projekten, die sich mit mobiler Zahngesundheit auseinandersetzen. Es gibt bereits Projekte, bei denen komplett ausgestattete mobile Behandlungseinheiten für die zahnmedizinische Grundversorgung – regional eingeschränkt – zum Einsatz kommen.

Frau Petzolt, Leiterin eines Altenpflegeheimes in Niedersachsen, gesteht, dass es „gelegentlich mal zu gewissen Ungereimtheiten im Rahmen der Mund- und Zahnersatzhygiene kommt“. Teilweise sei den Pflegekräften gar nicht bewusst, welche Folgeschäden dadurch entstehen können. Nicht zu unterschätzen ist allerdings der Arbeitsdruck, bedingt durch insuffiziente Personalstrukturen, der auf den Pflegekräften lastet. Im Altenpflegeheim eilt Frau Hebber über die Flure. Sie ist groß gewachsen, hat die Haare streng nach hinten gekämmt und ihre Gesichtszüge lassen vermuten, dass sie viel erlebt hat im Leben. „Die meisten von uns arbeiten schon seit Jahren in diesem Beruf. Natürlich achten wir auf die hygienischen Standards, die von uns erwartet werden.“ Begeistert scheint sie von dieser Tatsache nicht, aber sie scheint der Wahrheit eiskalt ins Gesicht zu schauen: „Manchmal muss es dann aber auch etwas schneller gehen“. Und genau an diesem Punkt kann man etwas machen – etwas verändern. 

Wenn die Patienten nicht mehr in die zahnärztliche Praxis kommen, dann muss die zahnärztliche Praxis eben zu den Patienten kommen. 

Maßgebendes Ziel der Zahnärzteschaft in Deutschland sollte es sein, die bundesweite zahnmedizinische Versorgung zu gewährleisten. Projekte der mobilen Zahngesundheit können mobileingeschränkten Personen durch Aufklärungsprogramme zur richtigen Mundhygiene sowie durch zahnmedizinische Prophylaxemaßnahmen eine bessere Mundhygiene - und somit einen höheren Lebensstandard - ermöglichen.

Literaturangaben

Weiterführende Links: 

Hier findet ihr die Bevölkerungspyramide der Bundesrepublik Deutschland
Hier gehts zum Leitfaden der BZÄK zur Alterszahnheilkunde
Informationen zur Fortbildung für Seniorenzahnmedizin bei der DGAZ 
Seit 2012 gibt es das neue nationale Gesundheitsziel "Gesund älter werden“
Tag der Zahngesundheit 

 

Wir unterstützen die Initiative "2 Klicks für mehr Datenschutz" des Heise Verlags.

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