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Fortschritte der Zahnimplantologie

Seit Gründung der DGI (Deutsche Gesellschaft für Implantologie im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich e.V.) hat sich das Wissen im Fachbereich rasant entwickelt. Mehr Wissen bedeutet auch die kontinuierliche Verbesserung von Konzepten und Methoden. Als 1994 Europas größte wissenschaftliche Gesellschaft auf dem Gebiet der Implantologie entstand, galt die Implantattherapie als zeitaufwendige Behandlung. Heute können Implantate oftmals direkt im Anschluss an die Extraktion gesetzt werden. Auch bei Dicke und Länge der Implantate hat sich viel verändert. Für die Zukunft zeichnen sich weitere tief greifende Neuerungen in Sachen Frühdiagnostik, Material und Verfahren ab.

Spätimplantate sind Goldstandard

Den heutigen Goldstandard stellt die Versorgung mit sogenannten Spätimplantaten dar, bei der zwischen Extraktion und Implantatinsertion bis zu sechs Monate vergehen, damit das knöcherne Zahnfach vollständig ausheilen kann. Das Einschrauben der künstlichen Zahnwurzel erfolgt unter örtlicher Betäubung. Bei der Auswahl der richtigen Zahnimplantate sind der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten, die lokalen Gegebenheiten von Zahnfleisch und Kieferknochenangebot (Form, Größe und Lage des Kiefers) sowie benachbarte und gegenüberliegende Zähne relevant. Für die Osseointegration, also das Einwachsen des Implantates in den Kieferknochen, werden vier bis 12 Wochen veranschlagt. Erst dann kann das Implantat vollständig belastet werden. Die Erfolgsrate der Osseointegration beträgt 97 Prozent. 

Vorteile der Implantattherapie

Zu einer der drei häufigsten Indikationen für Implantate zählt die Einzelzahnlücke, die mittels Implantat und Krone geschlossen wird. Implantate sind auch bei größeren Zahnlücken  im vorderen oder hinteren Kieferbereich, die durch den Verlust einst nebeneinanderstehenden Zähne entstanden sind, angezeigt, wo sie anstelle von herausnehmbarem Zahnersatz die Funktion natürlicher Zähnen übernehmen. Im zahnlosen Kiefer können herausnehmbare oder festsitzende Prothesen auf Implantaten verankert werden. 

Zu den Vorteilen der dentalen Implantologie zählt die Versorgung mit festsitzendem Zahnersatz, der in Funktion und Ästhetik mit natürlichen Zähnen vergleichbar ist. Im Unterschied zu einer konventionellen Brückenversorgung müssen beim Schließen einer Zahnlücke durch ein Implantat  gesunde Nachbarzähne nicht abgeschliffen und als Brückenpfeiler belastet werden. Zudem verhindern Implantate Abbauprozesse am Kieferknochen, da Kaukräfte wie beim natürlichen Zahn in den Knochen geleitet werden. 

Mögliche Risiken sind Verletzungen an Nerven, Nebenhöhlen oder Knochen. Darüber hinaus können Implantate aufgrund von Entzündungen verloren gehen.

Neue Implantatmaterialien werden entwickelt

Aktuell stellt Titan das Standardmaterial der dentalen Implantologie dar. Andere Materialien finden nur bedingt Anwendung. Das könnte sich laut einem Wissenschaftlerteam vom Institut für Bioprozess- und Analysenmesstechnik e.V. und der Friedrich Schiller Universität Jena bald ändern. Die Forscher wiesen im Januar 2015 die Gleichwertigkeit von Zirkon- und Titan-Dentalimplantaten in der Osseointegration  im Tierversuch nach. Durch die Homologien von Säugetieren zum Menschen – auch in Substanz in Anordnung des Gebisses – können hier Parallelen aufgedeckt werden. 

Titan bietet generell viele Vorteile: Das Elastizätsmodul von Titan und Knochenmaterial ist sehr ähnlich, zudem kann die Oberfläche so beschichtet werden, dass hier keine Risse oder sogar Brüche entstehen. Hinsichtlich des Sensibilisierungspotentials, elektrochemischer Korrosion und ästhetischen Betrachtungspunkten schnitt es in dieser Studie allerdings gegenüber dem Alternativmaterial Zirkonoxid schlechter ab. Das Forscherteam zeigte, dass sich beim Bone-Implant-Contact (BIC) im Verlauf der Studie keine signifikanten Unterschiede zwischen Zirkonoxid und Titan ergaben. Zirkonoxid könnte somit in der dentalen Implantologie an Bedeutung gewinnen. 

Neues Verfahren: Natürliche Zähne statt Knochenersatzmaterial

Einen weiteren Ausblick in die Zukunft der Verfahren in der Zahnimplantologie gewähren Prof. Dr. Frank Schwarz und sein Team von der Universität Düsseldorf. Die Wissenschaftler wollen Zahnärzte dazu motivieren, auf das Wegwerfen extrahierter Zähne zu verzichten. Sie führen seit Beginn des Jahres 2015 Versuche durch, bei denen die gezogenen Zähne fehlendes Knochengewebe bei der Implantation ersetzen. Die Zahnmediziner befestigten die frischen Zahnwurzeln mit kleinen Schrauben am Kieferknochen, um diesen zu verbreitern. Nach vier Monaten war die Wurzel bereits eingeheilt und das Implantat konnte gesetzt werden. Professor Schwarz erhofft auf diese Weise aufwendige Eingriffe zur Knochenentnahme für den Aufbau des Kiefers zukünftig vermeiden zu können. Auch der Einsatz von Ersatzmaterialien zum Kieferaufbau dürfte sich dank dieser Zahnwurzel-Technik verringern.

Kaugummi identifiziert Entzündungen

Noch kurioser, aber nicht weniger erfolgsversprechend, ist das Forschungsvorhaben des europäischen Forschungsverbunds STEP. Die Wissenschaftler wollen die Frühdiagnostik bei Problemen rund um das Zahnimplantat mittels eines Kaugummis revolutionieren. In diesem Sinne laufen die Forschungen bereits seit 2011. Bahnen sich Probleme mit dem Implantat an, steigt die lokale Konzentration eines Enzyms (Matrix-Metalloproteinase 8 oder MMP-8) messbar an. Den Anstieg könnte ein spezielles Kaugummi diagnostizieren. Ist der Enzymspiegel im Speichel entsprechend hoch, sendet das Kaugummi ein Warnsignal - für den Patienten schmeckt es auf einmal bitter. Ein Hinweis, dass der Zahnarzt wegen Implantat-Problemen dringend konsultiert werden muss. Funktionieren soll dies mit einer Peptidkette, die an einen Bitterstoff gekoppelt ist. Bei hoher Enzymkonzentration wird die Peptidkette gebrochen und der Bitterstoff freigesetzt. Die EU unterstützt das Forschungsprojekt um das kleine Kaugummi mit großer Wirkung mit einer Million Euro. 


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