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RWTH Aachen

Univorstellung RWTH Aachen

Herzlich willkommen zu einem kleinen Ausflug durch den Ort am Anfang des Städteverzeichnisses. Aachen, Aken, Aix la Chapelle, wir geben uns gern international, was hierzulande auch mit der Wortschöpfung "euregional" bezeichnet wird.

Bad Aachen, wie es eigentlich heißt, ist die westlichste Stadt der Republik am Dreiländereck mit den Niederlanden und Belgien und hat sein Präfix aus Eitelkeit abgegeben, um immer ganz vorn dabei zu sein; zumindest im Alphabet. Im Eliteuniranking nur knapp an einem unbedeutenden Platz vorbeigeschlittert, wird hier dennoch europäische universitäre Zusammenarbeit und Entwicklung vorangetrieben, in großen Fakultäten wie dem Maschinenbau, der als europaweit führend angesehen wird, wie in Anfängen auch in den kleinen Fakultäten, so wie der unsrigen. Das "Bad" ist aus dem Namen verschwunden, wie erwähnt, und das zu Recht, denn der nächste Badesee ist fern. Die schwefelhaltigen Quellen des Elisenbrunnens, denen heilende Kräfte zugesprochen werden, machen Aachen dennoch zum Kurort.

Befinden wir uns also im Wellness-Studium?

Wer sich mal einen tiefen Schluck vom salvatorischen Nass eingeflößt hat und so forsch sein möchte, den Geschmack des Brunnenwassers in Verbindung zu setzen mit dem, was sich dem neugierigen Erstsemestler bietet, wenn er zum ersten Mal des Universitätsklinikums der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule gewahr wird, möchte Anderes vermuten. Doch für manchen ist es dennoch genau umgekehrt, und ihm mag es ergehen wie den historischen gekrönten Häuptern, denen das faulig riechende Getränk trotz initialer gustatorischer Irritation tatsächlich zum Heile gereicht hat.

Hier der kurze Daten- und Fakten-Almanach in wenigen Worten. Wurde schon in der Jungsteinzeit Feuerstein in dieser Region abgebaut, dienten die im 4. Jahrhundert errichteten ersten Thermalbäder römischen Soldaten als Oase. Erstmals als "Aquis villa" im 8. Jahrhundert erwähnt, ging der Siegeszug Karls des Großen von Aachen aus. Er ließ 805 eine Pfalzkapelle bauen, die die Grundmauern des heutigen Doms bildet und um die sich die legendäre Geschichte des Teufels rankt, der von den Aachener Bürgern hinters Licht geführt wurde. Am Lousberg, einer der Erhebungen Aachens, ist die Geschichte dem interessierten Besucher nochmals in Stein gehauen. 31 deutsche Könige empfingen ihre Insignien in der Karolingerstadt, so auch Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa, unter dessen Schutz die Stadt 1153 zur Freien Reichsstadt wurde. Napoleonische Truppen besetzten Aachen, Kaiserin Josephine erkor den Ort zu ihrem Lieblingsbadeplatz. Viel mehr passierte freilich im Zuge der Bildung Europas, mit dem ich den geneigten Leser nicht langweilen möchte, machen wir also den Sprung in die Neuzeit ... Eine der größten Veranstaltungen der Stadt heutzutage ist die Verleihung des Internationalen Karlspreises für besondere Verdienste um die europäische Einigung.

Aachen ist nunmehr seit 1870 Universitätsstadt, die Technische Hochschule hat heute 10 Fakultäten und bildet rund 30.000 Studierende aus. Im Jahre 1966 wurde die Medizinische Fakultät gegründet, seit 1982 existiert der Studiengang Zahnmedizin und beherbergt zurzeit über 400 Studierende. Das Universitätsklinikum ist ein "Industriedenkmal" aus den frühen 80er-Jahren. Das aus heutiger Sicht vielmehr als Bausünde zu bezeichnende Konstrukt ist bar jeder Beschreibung; man muss es gesehen haben! Mehrere Quadratkilometer grünen Teppichs sollen beruhigen, treiben einen allerdings gegenteilig gerne mal in den absoluten Wahnsinn.

Den ­ den geistigen Getränken zugeneigten ­ Akademiker wird es erfreuen zu erfahren, dass Aachen die höchste Kneipendichte im Lande NordrheinWestfalen innehat. Zahnis tragen dieser Tatsache Rechnung und weisen dem gesellschaftlichen Beisammensein einen nicht unerheblichen Wert zu. Unsere Erstis genießen unter den Augen des bronzenen Kaisers Karl auf dem Marktplatz in einem Kartoffelsack nach anstrengender Hüpfübung nach Luft japsend eine wohl temperierte Dose Bier und freuen sich auf die anschließende "Milchzahnfete", Semester- und Fachschaftsumtrünke, der jährlich stattfindende Kons-II-Cup mit Verleihung des Rotgans-Pokals, Examens- und Fachschaftspartys, unsere Nikolaus-Glühweinverköstigung sowie die Treffen diverser Kleingruppierungen und Stammtische bieten Gelegenheit zum Austausch, zur Diskussion, zum Dampfablassen und zum Genuss des ein oder anderen alkoholhaltigen Kalt- und Warmgetränkes. Im Winter gehört zum Glühwein natürlich die weltberühmte "Öcher Printe", gerne auf dem weltberühmten Weihnachtsmarkt eingenommen. Wollen wir unser Augenmerk jedoch nunmehr auf die universitäre Ausbildung lenken...

Im ersten Semester erwartet die nach Bohr- und Schleifvorgängen schmachtenden Jungstudierenden zunächst mal die bittere Pille der Gleichmachung. Hereingepresst in den vorklinischen Teil eines Modellstudiengangs Medizin kommt uns viel Frustration zu Ohren, die teilweise in Anflügen von Diskriminierung gipfelt; dass Zahnmedizinerinnen und Zahnmediziner eben keine "richtigen" Ärztinnen und Ärzte werden würden ... Wird hier etwa der Ruf laut, das Studium der Zahnheilkunde abzuschaffen und einen Facharzt für Zahnmedizin zu implementieren?

Wir denken anders und wir hoffen, dass sowohl die Organisation des vorklinischen Studienabschnittes als auch die Identifizierung mit dem Traumberuf eine qualitative Steigerung erfährt. Vorklinisch-technische Kurse werden im jetzt noch bestehenden Studentenlabor unter dem Regiment einer Aachener Persönlichkeit, Herrn Görgens, durchgeführt. Leider ist in Planung, sowohl diese Spitzenkraft wie auch die Räumlichkeiten wegzurationalisieren. Die Stelle des ausbildenden Technikers soll nicht neu besetzt werden, die Laborplätze in schmucklose Container ausgelagert werden.

Quo vadis, Apollonia?

Nach der Zahnärztlichen Vorprüfung erschließt sich im 6. Semester die Welt der Klinik in voller "Schönheit". Phantomkurs der Zahnerhaltung, Phantomkurs der Kieferorthopädie, Kursus der Radiologie, Vorlesung Dermatologie, allgemeine und OralChirurgie, Parodontologie, Zahnerhaltung, KFO usw., unterm Strich also mal richtig Zeit zum Durchatmen nach dem Physikum.

Die ersten Sommersemesterferien im klinischen Abschnitt verbringt man wie in Trance, Ruhe, Ruhe, Ruhe! Hat man diese Hürde genommen, schmiegt sich zum ersten Mal die weiße Schutzkleidung an den geschundenen Körper (aus Studiengebühren finanziert und regelmäßig zum Wechseln bereit), und die nervöse Hand zieht das erste Mal einen Diamanten durch einen lebenden Zahn. Wieder treibt uns das allgegenwärtige Grün in den Wahnsinn... Haben wir ausreichend Patienten?

Nun, wir bemühen uns, durch gezielte Patienteninformationsveranstaltungen Besucher und Mitarbeiter der Klinik über die Möglichkeiten der Behandlung in Studentenkursen und über die Erfahrungen unserer Patienten zu informieren. Die Ergebnisse sind zufriedenstellend, aber für viele wird's wie immer am Ende knapp. Zum Nervenkitzel kommt die Problematik der chronischen Überbelegung. Das Gespenst "Losverfahren" hängt wie das Schwert des Damokles über dem Arbeitswilligen. Diese Spannung resultiert aus dem Aachener Unwort des Jahrtausends: "Jährlichkeit". Gerichte stellten fest, Wissenschaftsräte empfahlen, Kliniken wehrten sich, andere setzten es durch, Klagen wurden durchfochten und am Ende haben wir den Salat: ist das Kursziel nicht erreicht, wird die Freizeitgestaltung wieder interessanter, denn im kommenden Semester heißt es erstmal ganz gepflegt: Däumchen drehen!

Die Kliniken bemühen sich, unnötige Wartezeiten zu vermeiden, aber das schöne Wort "Überhang" macht die Trilogie der Unwegsamkeiten vollständig. Wir haben zu viele Studierende. Erste Versuche werden unternommen, Kommissionen zur Reform des Studienganges werden gegründet, Worte wie "Integrierter Kurs" werden wenigstens ausgesprochen und angedacht. Doch es ist, wie so oft, die mangelhafte Kooperation der Fachkliniken, die entscheidende Schlaglöcher auf dem Weg zur Problemlösung bewusst ungefüllt lässt. Die Benennung der Förderer und Verhinderer solcher Prozesse ist müßig und würde wahrscheinlich zu noch mehr Diskrepanz führen, dennoch bekundet die studentische Vertretung den Willen, auf die Fortentwicklung der Qualitätssteigerung der studentischen Ausbildung wesentlichen Einfluss zu nehmen.

Ich möchte jedoch abschließen mit Aachens Stärken. Im Verlauf eines herausfordernden und stressigen Studiums ist man geneigt, das Negative zu fokussieren und die Vorteile zu verschweigen, doch soll bewusst zum Ende das Augenmerk auf die Chancen gelenkt werden, die sich den Studierenden der Zahnheilkunde am Universitätsklinikum der RWTH Aachen bieten. Kenntnis und Einblick in verschiedene Spezialisierungsgebiete unserer Lehrenden werden in Form von Curricula, Vorlesungen, Seminaren und Praktika vermittelt. So erfahren wir Einführendes in den Disziplinen orale Mikrobiologie und Laserzahnheilkunde oder gewinnen einen ersten Eindruck über betriebswirtschaftliche Aspekte der Praxisführung, Management oder bspw. Naturheilverfahren.

Der Mangel an Extraktionsfällen in der klinischen Ausbildung hat zur Implementierung eines von einem MKG-Chirurgen entworfenen Extraktionskurses am selbst hergestellten Phantommodell geführt, es werden Hands-on-Kurse in der Implantologie angeboten, es finden diverse Kommunikations-Praktika mit Videosupervision durch die Klinik für Medizinische Psychologie sowie Kurse in Anamnesetraining mit Schauspieler-Patienten statt, ein Seminar Gerodontologie ist in Planung.

Manche dieser Angebote haben den Charakter einer Pflichtveranstaltung, was nicht immer zur grenzenlosen Begeisterung der Teilnehmenden führt, dennoch kann sich niemand über mangelnde Möglichkeiten der extracurriculären Fortbildung beschweren. Letztlich veranstaltet die Fachschaft in diesem Jahr erstmalig ein Wochenendseminar zum Thema Zahnärztliche Hypnose und Umgang mit Angst- und Schmerzpatienten, währenddessen wir der Kommilitonenschaft zertifizierte Fortbildungen der Zahnärztekammer fast zum Nulltarif anbieten können.

Vieles ist sicherlich unerwähnt geblieben, Einiges an Kritik und Lob wäre noch angebracht. Besucht uns einfach mal, es gibt noch viel zu erfahren! Das Fazit dieses Artikels möchte sich der geneigte Leser selbst entwerfen, lasst mich euch jedoch, sozusagen kreisschließend, wieder das Schwefelwasser vom Anfang in Erinnerung rufen, den manchmal bitteren, doch für viele auch fruchtbringenden Verlauf des Studiums. Und mit einem Auszug aus dem "Rheinischen Grundgesetz",einem Spiegel der Kultur und des Humors, der mich hierher gezogen hat, wünsche ich euch allen viel Erfolg für die letzten Semesterwochen:

§3 ET HÄT NOCH IMMER JOT JEJANGE
§8 MAACH ET JOOT, ÄWWER NIT ZE OFF
§11 DO LAACHSE DICH KAPOTT

Herzliche Grüße aus Aachen,
euer Uli Hoischen

Erschienen in dentalfresh 2007 #2.

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