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Fort- und Weiterbildung in der Zahnmedizin

Auf die Frage, welche Organisationen innerhalb der Dentalbranche am interessantesten für Studierende der Zahnmedizin sind, wurden in der zahniportal-Umfrage unter 333 Zahnis Anbieter von Fortbildungsveranstaltungen auf den ersten Platz gewählt. Eurer Interesse am Thema Fortbildungen nehmen wir zum Anlass, um euch dieses Thema einmal näher zu bringen.

Inhalt dieses Artikels:  

Gründe für den Besuch von Fortbildungen

Der Besuch von Fortbildungen zu zahnmedizinischen Themen ist für 98,8 % der Zahnärzte das probateste Mittel, um die eigene zahnärztliche Tätigkeit positiv zu unterstützen1. Zudem sind Zahnärzte entsprechend der Musterberufsordnung der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) dazu verpflichtet, sich beruflich fortzubilden und dadurch ihre Kenntnisse dem Stand der zahnärztlichen Wissenschaft anzupassen. Entsprechend der Leitsätze der BZÄK, der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) zur zahnärztlichen Fortbildung ist Fortbildung ein wichtiges Instrument der Qualitätssicherung in der Zahnmedizin. 

Jeder Vertragszahnarzt muss alle fünf Jahre seiner Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) gegenüber nachweisen können, dass er der Fortbildungspflicht in den zurückliegenden fünf Jahren nachgekommen und 125 Fortbildungspunkte erworben hat. Wie viele Punkte für eine Fortbildung vergeben werden, ist abhängig von der Art der Fortbildung. So gibt es z.B. für Vortrag und Diskussion auf Symposien, Tagungen, Workshops, Seminare, Kongresse o. ä. 1 Punkt pro Fortbildungsstunde, maximal 8 Punkte pro Tag und ggf. 1 Zusatzpunkt für schriftliche Lernerfolgskontrolle pro Veranstaltung2

Das größte Interesse an Fort- und Weiterbildung zeigen besonders jüngere Zahnärzte. Sie richten nicht nur generell häufiger Arbeitsschwerpunkte ein, sondern nehmen diesbezüglich auch häufiger Wechsel oder auch Erweiterungen vor. Gründe dafür sehen die Autoren der IDZ Information 1/2010 im kognitiven Suchprozess für die professionelle Handlungsausrichtung, der in den ersten Berufsjahren naturgemäß lebhafter sein dürfte, um die freiberufliche Existenzgründung zu unterstützen. 

Die richtige Fortbildung finden 

Bei der DENTS.DE-Umfrage unter 224 Assistenzzahnärzten war in erster Linie der Referent entscheidend für die Auswahl der passenden Fortbildung, gefolgt von Hands-on und der örtlichen Nähe. Das Kriterium der außergewöhnlichen Location landete auf dem letzten Platz. Die beliebtesten Fortbildungsanbieter sind entsprechend dieser nicht-repräsentativen Umfrage Fachgesellschaften, Zahnärztekammern und private Fortbildungsinstitute.

Entsprechend der Leitsätze der Fortbildung der BZÄK, der DGZMK und der KZBV ist die Qualität einer Fortbildungsmaßnahme durch folgende Kriterien gekennzeichnet: 

  • Relevanz der Fortbildungsinhalte
  • Qualität der Fortbildungsmethode
  • Unabhängigkeit von kommerziellen Interessen
  • Umsetzbarkeit in der täglichen Arbeit

Arten der Fortbildung in der Zahnmedizin

Fortbildungsveranstaltungen 

Das sind z.B. Kongresse, Seminare, Kurse, Kolloquien, Demonstrationen oder Übungen. Der Markt der Fortbildungsveranstaltungen ist relativ unübersichtlich. Als Veranstalter treten Kammern, Fachverbände und Fachverlage, aber auch Industrieunternehmen, Fachhändler und spezielle Fortbildungsinstitute auf. 

Curricular vermittelte Inhalte

Ein Curriculum ist eine strukturierte Fortbildung, die aus verschiedenen, aufeinander aufbauenden Einzelveranstaltungen besteht. In der Regel erwirbt der Zahnarzt durch den erfolgreichen Abschluss eines Curriculums ein Zertifikat, manche Curricula berechtigen auch zum Tragen eines Tätigkeitsschwerpunkts oder können auf die Credit-Points eines Masterstudiengangs angerechnet werden.  

Mediengestütztes Selbststudium 

Diese Art der Fortbildung umfasst den Konsum von Fachliteratur, von elektronischen, internetbasierten, digitalen Lehr- und Lernmittel. In Deutschland gibt es neben Fachbüchern ein großes Angebot an Fachzeitschriften für alle zahnmedizinischen Disziplinen. Die Fachzeitschriften können in wissenschaftliche Journale, in denen Studien veröffentlich werden, und praxisnahe Publikationen mit Fach- und Anwenderartikel und Produktinformationen unterschieden werden.  

Weitere Fortbildungen 

Darüberhinaus gibt es klinische Fortbildungen wie z.B. z.B. Visiten, Hospitationen und Fallvorstellungen. Klinische Fortbildungen werden auch von Fortbildungsveranstaltern angeboten und sind z.B. unter den Stichworten Hands-on oder Live-OP zu finden. 

Für interkollegiale Fortbildung wie Qualitätszirkel oder Studiengruppen ist vor allem Eigeninitiative gefragt. 

Fortbildung vs. Spezialisierung

Fortbildung ist also Pflicht in der Zahnmedizin und notwendig, um die eigene Kompetenz auf dem aktuellen Sand zu Wissenschaft zu halten und den Patienten so immer auf Basis aktueller Standards behandeln zu können. Gleichzeitig ermöglichen Fortbildungen auch das Setzen von Arbeits- oder Tätigkeitsschwerpunkten. Arbeitsschwerpunkte sind für 57,3 Prozent aller Zahnärzte3 die Strategie zum Setzen von formalen Entwicklungspotentialen für die eigene zahnärztliche Berufsausübung. 

Im Unterschied dazu dient die Weiterbildung der Spezialisierung auf einem Teilgebiet der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde. Der Anteil von Zahnärzten, die sich spezialisiert - also den formalen Abschluss Fachzahnarzt oder postgradualer Master erworben haben - lag 2010 bei lediglich 10 Prozent. Gleichzeitig gaben 19 Prozent der Zahnmediziner an, eine Spezialisierung für sich selbst in Erwägung zu ziehen4.

Die richtige Spezialisierung finden 

Während Fortbildungen für jeden Vertragszahnarzt ein Thema sind und Arbeits- und Tätigkeitsschwerpunkte weit verbreitet sind, ist nur ein kleiner Teil der Zahnmediziner auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisiert. 

Fachzahnarzt

2009 gaben 6,7 % der von der IDZ befragten Zahnärzte an, als Fachzahnarzt tätig zu sein5. Durch eine mindestens vierjährige und hauptberufliche Weiterbildung mit abschließender Prüfung können die Gebietsbezeichnungen Fachzahnarzt für Kieferorthopädie, Fachzahnarzt für Oralchirurgie, Fachzahnarzt für Parodontologie oder Fachzahnarzt für öffentliches Gesundheitswesen erworben werden. Der Facharzt kann auch Bestandteil der Assistenzzeit werden, was die Auswahl der richtigen Assistenzarztstelle um eine Variable erweitert. So ist die Facharztausbildung zum Kieferorthopäden, Oralchirurgen und Parodontologen (Kammerbereich Westfahlen Lippe) mit der Vorbereitungszeit kombinierbar und der junge Zahnmediziner kann eine Weiterbildungsassistenzzeit anstreben. Diese unterscheidet sich zur Vorbereitungsassistenzzeit dadurch, dass sie mindestens drei Jahre dauert und ein klinisches Jahr voraussetzt. 

Masterstudiengänge

Immer populärer werden weiterbildende Masterstudiengänge. Diese postgraduierten Aufbaustudiengänge werden in Deutschland bislang nur berufsbegleitend angeboten und setzen eine Akkreditierung voraus. Der Mastertitel ist ein europaweit anerkannter Abschluss, der von zertifizierten Universitäten – bei den Master-Studiengängen in der Zahnmedizin handelt es sich meist um private Hochschulen – vergeben werden kann. Die im Masterstudium zu erwerbenden Creditpoints werden nach dem für Europa einheitlichen ECTS-Standard („European Credit Transfer and Accumulation System“) vergeben. 

Weiterbildungen berechtigen zum Führen von Gebietsbezeichnungen, also z.B. Fachzahnarzt für Kieferorthopädie. Eine Weiterbildung wird mindestens über einen Zeitraum von vier Jahren zeitlich zusammenhängend ganztags und in hauptberuflicher Stellung durchgeführt. Die Musterweiterbildungsordnung der BZÄK ist die Basis der Weiterbildungsordnungen der einzelnen Landeszahnärztekammern, die die Vergabe der Gebietsbezeichnungen nach Abschluss einer Weiterbildung regeln. 

Wie setze ich die richtigen Arbeitsschwerpunkte? 

In erster Linie sollte das persönliche Interesse an bestimmten Fachbereichen innerhalb der Zahnmedizin darüber entscheiden, wo man seine Arbeitsschwerpunkte setzen oder sich spezialisieren möchte. Aber natürlich spielen die eigenen Verdienstmöglichkeiten, die sich abhängig von den gewählten Arbeitsschwerpunkten unterscheiden können, und das Patientenklientel am Praxisstandort in die Entscheidung für die Wahl bestimmter Arbeitsschwerpunkte hinein. Ähnlich wie bei der Wahl des Praxistandortes zeigt sich auch bei der Wahl der Arbeitsschwerpunkte die Bedeutung einer fundierten Zielgruppenanalyse.

So wiesen entsprechend der IDZ 1-04 Praxen mit den Arbeitsschwerpunkten Implantologie und/oder Ästhetische Zahnheilkunde eine Patientenstruktur mit vergleichsweise höherem Einkommen auf. Praxen mit den Arbeitsschwerpunkten Zahnerhaltung, Implantologie und/oder Ästhetische Zahnheilkunde versorgten überdurchschnittlich viele Patienten mit höherem Bildungsgrad. Besonders viele Patienten mit ausgeprägtem Gesundheitsbewusstsein hatten schließlich die Praxen mit den Arbeitsschwerpunkten Prophylaxe und/oder Implantologie6

Lohnen sich Fort- und Weiterbildung finanziell? 

Auf diese sehr interessante Frage gibt es leider keine aktuelle Antwort. Laut einer Studie der Instituts der Deutschen Zahnärzte aus dem Jahr 20037 lagen die Gesamteinnahmen neugegründeter Einzelpraxen ohne Arbeitsschwerpunkte im Jahr 2001 insgesamt 30,1 Prozent unter den Gesamteinnahmen der Praxen mit entsprechenden Arbeitsschwerpunkten, obwohl die Praxen ohne Arbeitsschwerpunkte vergleichsweise mehr Scheine pro Quartal abrechnen sowie einen höheren Selbstzahleranteil auf sich vereinen konnten.

Die Praxen mit dem Arbeitsschwerpunkt Implantologie wiesen mit 379.000 Euro das höchste Gesamteinkommen aus und unterschieden sich mit einem überdurchschnittlichen Privatanteil von anderen Schwerpunkten. Laut dieser IDZ-Information betrugen 2003 die Gesamteinnahmen einer Praxis ohne Arbeitsschwerpunkte im Durchschnitt 181.000 €, die einer mit dem Schwerpunkt Prothetik 201.000 €, Zahnerhaltung 224.000 €, Prophylaxe 239.000 €, Parodontologie 251.000 €, Kinderzahnheilkunde 259.000 €, Ästhetische Zahnheilkunde 260.000 € und Implantologie 379.000 €. 

Fortbildung für Studierende? 

Bereits für Studierende der Zahnmedizin werden Fortbildungen angeboten. Inwiefern ihr neben dem straffen Studium Kapazitäten habt, euch noch vor der Approbation fortzubilden, muss jeder für sich entscheiden. Wie auch für approbierte Zahnärzte ist das Fortbildungsangebot für Studenten relativ unübersichtlich, wenngleich weniger umfangreich. 

Am interessantesten sind Fortbildungen für Zahnis sicher in den Bereichen, die im Studium zu kurz kommen, aber trotzdem von großer Wichtigkeit fürs Durchkommen im Studium oder die spätere Berufstätigkeit sind. Schon ein freiwilliges Praktikum im Dentallabor während der Semesterferien kann als Fortbildung bezeichnet werden und extrem hilfreich für das Studium  sein. Eigentlich an Existenzgründer und Assistenzzahnärzte richten sich zahllose Fortbildungen zur Niederlassung. Natürlich können diese auch für Studierende in den höheren Semestern interessant sein. 

Hier eine kleine Auswahl an Fortbildungen für Zahnmedizinstudierende – ohne Anspruch auf Vollständigkeit 

Studententag auf dem DZÄT

Traditionell findet während des Deutschen Zahnärztetages (jährlich Anfang November in Frankfurt) der Studententag statt, der vom BdZM organisiert und von der BZÄK, der DGZMK und der KZBV unterstützt wird. 

BuFaTa

Jede zahnmedizinische BuFaTa – oder auch Bundesfachschaftstagung – hat einen Kurs- und Vortragsteil. 

Inhalte direkt fürs Weiterkommen im Studium oder direkt an der Uni  

Fachliteratur für Zahnis 


Quellenangaben 

  1. IDZ-Information 1/10, Micheelis, W., Bergmann-Krauss, B., Reich, E. Rollenverständnisse von Zahnärztinnen und Zahnärzten in Deutschland zur eigenen Berufsausübung – Ergebnisse einer bundesweiten Befragungsstudie, S. 21
  2. Punktebewertung von Fortbildung. BZÄK/ DGZMK. gültig ab 01.01.2006
  3. IDZ-Information 1/10, S. 23
  4. IDZ-Information 1/10, S. 23
  5. IDZ Information 1/10, S. 22
  6. IDZ Information 1-04: Ökonomische Analyse der Ausgangsbedingungen, Verlaufsmuster und Erfolgsfaktoren von zahnärztlichen Existenzgründungen (AVE-Z), 12. Januar 2004, S. 12
  7. IDZ Information 1-04

 

Stand: März 2015
Autorin: Kristin Jahn 

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