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Lehre in Deutschland: Zufriedene Studierende trotz schwieriger Rahmenbedingungen

Bild: Pixabay / StockSnap

Im europäischen Vergleich gibt es in Deutschland an vielen Hochschulen zu wenig Lehrkräfte und immer noch zu lange Studienzeiten. Aber die deutschen Professor(inn)en scheinen daraus das Beste zu machen: Der Kontakt zu den Lehrenden und die Organisation des Studiums werden von den Studierenden häufiger positiv gesehen als in anderen europäischen Ländern. Das zeigen Auswertungen aus dem globalen Hochschulranking U-Multirank.

Im Sommer 2018 schreckte eine Sonderauswertung des internationalen THE World University Ranking die Bildungsverantwortlichen in Deutschland auf: Im europäischen Vergleich waren deutschen Hochschulen in der Lehre bestenfalls Mittelklasse. Nur die Universitäten in Heidelberg und Göttingen schafften es, in den Ranglisten der „besten Universitäten in Europa bezüglich der Lehre“ unter die ersten 50 zu kommen. 22 von 31 gerankten Universitäten landeten in der hinteren Tabellenhälfte. Steht es um die Lehre in Deutschland tatsächlich so schlecht?

„Die Qualität der Lehre an einer Hochschule wird durch die Lehrqualität in den einzelnen Fächern bestimmt. Verlässliche Schlussfolgerungen auf der Ebene einer Hochschule insgesamt lassen sich nicht ohne weiteres ableiten“, schränkt Gero Federkeil, Leiter für internationale Rankings am CHE die Ergebnisse der THE Rangliste ein. Die Rankingexperten aus dem U-Multirank-Team schauten genauer hin, wie es um die Lehrqualität in Deutschland wirklich steht. Und sie können dabei eine größere Zahl an Hochschulen betrachten, als nur die 31 im THE Ranking.

Fakten zeigen: In Deutschland ist bei den Rahmenbedingungen der Lehre noch Luft oben
Die Daten von U-Multirank für mehrere Fächer lassen erkennen, dass die Betreuungsrelation, d.h. das Zahlenverhältnis von Lehrenden und Studierenden, in Deutschland nur an wenigen Fachbereichen (28 Prozent) überdurchschnittlich gut ist. Ebenfalls 28 Prozent der teilnehmenden Fachbereiche liegen sogar unter dem Durchschnitt. In Europa liegt jedoch fast jeder zweite Fachbereich bei der Betreuungsrelation über dem Durchschnitt. Das heißt: Die Rahmenbedingungen an vielen Hochschulen in Deutschland sind schlechter als im gesamten europäischen Vergleich. Auch überschreiten deutsche Studierende deutlich häufiger die Regelstudienzeit als Studierende im europäischen Ausland. Diese Fakten weisen auf Qualitätsprobleme hin.

Urteile der Studierenden zeigen: Große Zufriedenheit mit der Lehre an deutschen Hochschulen
U-Multirank lässt auch die Studierenden ihr Studium bewerten. Dabei zeigt sich, dass diese die Qualität der Lehre in Deutschland deutlich besser bewerten als in Europa gesamt. Die „Allgemeine Studierendenzufriedenheit“ ist in Deutschland sehr hoch: Mehr als jeder zweite Fachbereich landet bei diesem Kriterium in den Spitzengruppen. In Europa gesamt schaffen dies nur 29 Prozent der teilnehmenden Fachbereiche.

An 39 Prozent der deutschen Fachbereiche bewerten die Studierenden den Kontakt zu den Lehrenden gut bis sehr gut, nur drei Prozent der Fachbereiche werden unterdurchschnittlich gut bewertet. Auch die Organisation der betrachteten Studiengänge wird in Deutschland an 54 Prozent der Fachbereiche überdurchschnittlich gut bewertet, in Europa gesamt trifft dies nur auf 32 Prozent zu. Besser als in Europa gesamt wird von den Studierenden zudem über die Qualität der Lehrveranstaltungen geurteilt.

Prof. Frank Ziegele, Geschäftsführer des CHE, sagt zu den Ergebnissen: „Die meisten deutschen Hochschulen und deren Fachbereiche scheinen trotz der widrigen Umstände in der Lehre vieles sehr gut zu machen. Würde nun auch noch das Lehrpersonal mit den Studierendenzahlen Schritt halten, dann könnten wir uns in Europa an die Spitze setzen.“ Ziegele plädiert für eine differenzierte Betrachtung der Stärken und Schwächen in der Lehre anstelle von pauschalen Urteilen.

Der Blickpunt: „Im Spiegel des Rankings: Wie gut ist die Lehre an deutsche Hochschulen?“ legt einen differenzierten Vergleich von Indikatoren zur Darstellung der Qualität der Lehre an deutschen und europäischen Fachbereichen vor. Er betrachtet sowohl Universitäten als auch Fachhochschulen. Die Daten beziehen sich auf die Ergebnisse auf Fächerebene. Eine gesonderte fachspezifische Betrachtung der Lehre wird für die Fächer BWL, Maschinenbau und Informatik vorgenommen.

Über U-Multirank

Mit einem multi-dimensionalen Ansatz ist U-Multirank als globales Ranking einzigartig. Es vergleicht Hochschulen anhand von mehr als 30 Indikatoren, in dem sie in fünf Ranggruppen einsortiert werden – von „A“ (sehr gut) bis „E“ (schwach). U-Multirank berechnet keine Rangliste mit einzelnen Rangplätzen. Stattdessen ermöglicht U-Multirank es den Nutzern der Webseite, sich interaktiv auf der Grundlage der persönlichen Präferenzen und Prioritäten hinsichtlich der Bewertungsmaßstäbe ein Bild der Stärken und Schwächen der Hochschulen zu generieren. Die U-Multirank Daten basieren auf einer Vielzahl an Datenquellen: auf Informationen, die von den Hochschulen geliefert wurden, auf bibliografischen Datenbanken, internationalen Patentdatenbanken sowie einer Befragung von Studierenden der teilnehmenden Hochschulen.

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